Caspar Jenny – Der Waran

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Caspar Jenny
Der Waran
ISBN 978-3-931140-15-1

KILLROY media, 2015
KILLROY Roman
244 Seiten, gebunden

Zusätzliche Informationen

Gewicht 0.428 kg
Größe 20.5 × 13.6 × 2.1 cm

Zum Inhalt

Der Waran

Schonungslos denunziert der Roman die menschliche Beziehung als ein von Kalkül und Machtbesessenheit bestimmtes Verhältnis. Der Biss des Warans ist der Biss der „Alten“, einer Mutter, die ihre Töchter buchstäblich zu Tode beisst.

Die Familie als todbringender Ort korrespondiert mit Ausrottungsfantasien, wie sie in jeder faschistoiden Ideologie vorherrschen.

Der Vernichtungswille der Alten geht Hand in Hand mit rassistischen Motiven, die im Schrecken des Völkermords gipfeln.

Der Waran steht für das irrationale und amoralische Wesen des Menschen. Er schafft Strukturen, die für andere den Tod bedeuten. Doch Ran, das Opfer, wird selber zum Täter. Der Pessimismus nährt sich aus der Einsicht, dass Gewalt stets Gewalt erzeugt. Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie, die ihre Selbstzerfleischung über Generationen weiterträgt.

Über den Autor

Caspar Jenny

Caspar Jenny wurde 1971 in Basel geboren. Aufgewachsen in Griechenland (Insel Ios) und im Tessin (Carona) in einer Künstlerkommune. Nach dem Abitur war er als freischaffender Kunstmaler in diversen Ateliers tätig. 1999 Kurzfilm „in nuce ein poem“ für 3sat. Von 2003 bis 2010 Studium der Philosophie, Germanistik und Ethnologie. Veröffentlichung von Essays und Gedichten in Literaturzeitschriften in Deutschland, Österreich und Belgien. Der Autor arbeitet seit 2008 als Asylbeobachter für ein Hilfswerk. 2012 Veröffentlichung des Gedichtbands „Im Rückstoss des Tages“. Ab 2014 wieder im Bereich der bildenden Kunst als Zeichner tätig.

Rezensionen

etcetera, österreichische Literaturzeitschrift, Sankt Pölten

Ein grauenhaftes Familienbild und KZ-Lager-Szenario.

„Wollen Sie das Buch kaufen? Es ist schrecklich“, sagte….Und so ist es auch mit diesem Werk. Einfach schrecklich!
Schrecklich gut!

Es geht um den tödlichen Biss des Warans, der zu Beginn des Romans die alte Mutter ist. Sie ist die personifizierte Vernichtung, tötet zwei ihrer Töchter und vererbt diesen Tötungswillen an die dritte Tochter R. Deren Sohn Ran wird später der Rächer. Der brutale Bestseller Autor A. wird der Ehemann von R. und gemeinsam feiern die beiden ihre Vereinigung mit der Tötung ihrer Tochter, die noch in der Wiege liegt. S. 172: Nichts mehr würde sich zwischen sie stellen. …Zum ersten Male hatte A. die Freiheit erlebt, als er Flüchtlinge erschossen hatte…

Der Autor A. hat dem blutrünstigen, berüchtigten SS-Lagerarzt Dr. Jos, der einen Waran und einen Gehilfen aus den Sümpfen beschäftigt und mit Menschen füttert, ein Opfer versprochen. Und dieses Opfer soll nun sein Stiefsohn Ran sein. Dieser findet jedoch Kraft sich zu widersetzen durch den Willen seine ermordete kleine Schwester zu rächen und durch die Ruhe am wilden, ungepflegten Friedhof der armen im Lager getöteten Seelen.

Die vielen Schrecklichkeiten, z.B. die Tötung eigener Kinder, die brutalen Vorgänge in den Zellen und Folterkammern des Kriegslagers sind dermaßen sprachlich untermauert, dass man die Grässlichkeiten nicht um des Schauerns willen liest, sondern weiß, dass es um das Begreifen geht. Das Begreifen, dass es wirklich Menschen gab oder gibt, die eine Welt gestalten und erschaffen wollen, die jede Vorstellungskraft sprengte. Zitat S. 150: Das Ziel war eine vollkommene Plastik des Bösen, die alle Elemente der Grausamkeiten zu einem Ganzen zusammenführte.

Also Folter und Tod nicht aus Blutrüstigkeit, sondern als Gestaltungswillen und Parallele zur Kunst an und für sich: Zitat S. 150 ff: Am liebsten hätte A. seine Bücher mit dem Blut seiner Opfer geschrieben. Seine Feder in die offenen Wunden getaucht….
Hervorragend!

Eva Riebler-Übleis

etcetera, österreichische Literaturzeitschrift, Sankt Pölten
Juni 2016, ISSN 1682-9115